Altes Ideal ist hochmodern
Hüberts’sche Schule hat eine Arbeitsgemeinschaft zum Thema Wirtschaftsethik etabliert
Martina Feierling-Rombach aus Freiburg ist die Erste, die jetzt den Ehrenpreis „Ehrbarer Kaufmann“ vom Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) erhalten hat. Es ist eine kleine Meldung, von der die meisten Menschen kaum Notiz genommen haben werden. Aber ein paar Schüler der Hüberts’schen Schule werden das Ereignis aufmerksam gelesen und sich gefreut haben: Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftsethik. Denn sie haben sich in der Oberstufe intensiv mit dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns auseinandergesetzt (s. Zum Thema).
Am kommenden Samstag werden Sarah Bentrup (19), Kathrin Robbert (19), Tatjana Gossen (19), Manuel Schnittker, Linus Geers (19) (v. l.) mit ihren Mitschülern das Abitur feiern. Auf ihren Zeugnissen wird dann die Teilnahme an der AG vermerkt sein. „Das ist etwas Besonderes und wirkt auch bei Unternehmen. Schließlich kennen wir beide Seiten der Betriebswirtschaft“, sagt Sarah Bentrup.

Die Arbeitsgemeinschaft gibt es seit 2009. Das Bild des ehrbaren Kaufmanns aber prägt die Schule seit ihrer Gründung im Jahr 1847. Und gerade jetzt, mit Wirtschafts- und Finanzkrise, der Pleite Griechenlands erhält der Leitsatz, der einen optimal und nachhaltig Wirtschaftenden beschreibt, neue Aktualität.
Diesen Themen haben sich die Schüler durch die verschiedenen Medien genähert. „Wir haben geschaut, ob das Handeln der Akteure den Standards der sozialen Ethik entspricht“, erklärt Linus Geers. Zudem sei natürlich diskutiert worden, ob die Werte des ehrbaren Kaufmanns überhaupt noch vertretbar und aktuell sind. Das Ergebnis: „Ehre ist niemals veraltet. Sie wird nur immerneu interpretiert.“
Zudem sei aufgefallen, dass das Ideal wieder mehr gefordert werde, gerade für die bekannten Führungskräfte großer Unternehmen.
In der Wirtschaft gehe es nicht nur um die „kalte“ Seite, um Gewinne und Bilanzen. Durch die AG haben die Schüler nach eigenen Angaben auch die andere, die„menschliche“ Seite kennengelernt, sich mit Begriffen wie Moralbewusstsein, Entwicklung von Moral, dem sich wandelnden Begriff der Ehre und natürlich den verschiedenen Ansätzen der Wirtschaftsethik auseinandergesetzt. „Für eine Schule wie unsere, deren Wurzeln im Handwerk liegen, ist es wichtig, dass beide Seiten beleuchtet werden und wir junge Menschen nicht nur in eine Richtung schauen lassen“, betont Lehrer und AG-Leiter Dirk Köster.
Außerdem bereite die Arbeitsgemeinschaft auf Beruf und Studium vor. „Früher war Ethik eher eine Randerscheinung. Heute steht es immer mehr im Fokus. Das ist auch notwendig“, ergänzt Anja Arens-Fischer, zuständig für die Schulkommunikation.
Und der ehrbare Kaufmann lässt sich nicht nur auf die große Weltwirtschaft anwenden, auch im eigenen Denken hat er bei den Schülern etwas bewegt. „Eigentlich lassen sich die Grundsätze auf sämtliche zwischenmenschliche Beziehungen übertragen“, sagt Kathrin Robbert. Etwa beim Einkaufen überlege sie schon, was sie kaufe, wem sie etwas verspreche und ob sie dieses Versprechen auch halten könne.
Zum Thema: Das Ideal des ehrbaren Kaufmanns
Das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns gibt es seit dem Mittelalter. Damals war Ehrbarkeit damit verknüpft, den wirtschaftlichen Erfolg mit der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft in Einklang zu bringen.
Seit 1517 gibt es die sogenannte „hanseatische Variante“, die folgende Dinge beinhaltet: Wort und Handschlag gelten, der Kunde steht im Mittelpunkt, die Kalkulationen sind nüchtern, die Verhandlungen hart. Dafür ist der Kaufmann ein fairer Arbeitgeber, ein verlässlicher Partner, der nachhaltig handelt, sich für das Gemeinwesen engagiert und dem die Firma im Zweifel wichtiger ist als die eigene Person.
Wer damals gegen diese Grundsätze verstieß und sein Wort brach, verlor bei Geschäftspartnern und in der Gesellschaft sämtliches Ansehen. Betrüger wurden an den Pranger gestellt und aus der Stadt gejagt.
Heute verfügt der moderne Staat als Rechtsstaat über einige Kontrollmechanismen. Bei exzessiver Unehrbarkeit versagen diese Mechanismen jedoch, sagen Experten. Wie etwa beim Kreditschwindel in den USA oder der Pleite von Griechenland.
Derzeit wird an Hochschulen immer mehr Wert auf die Ausbildung von verantwortungsbewussten Managern gelegt. Wie etwa an der Hamburg School of Business Administration, wo es seit Kurzem den Studiengang „Master of Honourable Leadership“, also einen Abschluss in ehrenhafter Geschäfts- und Unternehmensführung, gibt.
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