2013 Crash-NRW

Crash-Kurs NRW macht Station vor 300 Schülern in Hopsten

Der Anteil von jugendlichen Verkehrsteilnehmern bei den Verursachern von schweren Unfällen ist laut Polizei überproportional hoch. Darum will die Behörde mit ihrer Präventionskampagne „Crash-Kurs NRW“ an Schulen anschaulich und abschreckend über die Gefahren im Straßenverkehr aufklären.
 
2013 Crash-NRW
Abschrecken ist sein Metier: Ludwig Schnell leitet das Projekt „Crash-Kurs NRW“ bei der Kreispolizeibehörde Steinfurt
 
300 Schüler sitzen in der Aula der Haupt- und Realschule. 300 Schüler sind mucksmäuschenstill. Sie alle lauschen gebannt den Unfallberichten der Referenten des Projektes „Crash-Kurs NRW“. Und die nehmen kein Blatt vor den Mund. Beschönigen nichts. Im Gegenteil: Sie sprechen von toten 18-Jährigen in zerstörten Autos, schildern ihre schweren Verletzungen, malen die grausamen Bilder in die Köpfe der Schüler. Viele müssen schlucken, bei dem, was sie hören, den Bildern, die sie sehen – auf der Leinwand oder vor ihrem geistigen Auge. Bei manchen fließen Tränen.
So funktioniert „Crash-Kurs NRW – Realität erfahren“. Es ist nicht der mahnende Zeigefinger, den die Unfallhelfer – Polizisten, ein Rettungsassistent, ein Notarzt, ein Notfallseelsorger – erheben. Nein, sie konfrontieren die Zehntklässler der Hauptschulen Hopsten und Recke, der Ketteler-Realschule und die Schüler der Klasse elf der Hüberts‘schen Schule schonungslos mit den möglichen Folgen von zu schnellem Fahren, Alkohol- oder Drogeneinfluss. Wollen abschrecken, aufrütteln, ermutigen die Schüler, einzugreifen, wenn jemand angetrunken Auto fahren will, oder zumindest nicht zu ihm einzusteigen.
„Tot ist man nicht nur ein bisschen“, sagt Polizist Ludwig Schnell, der das Projekt bei der Kreispolizei Steinfurt leitet, nicht nur einmal. Und: „Verkehrsunfälle passieren nicht einfach. Sie werden verursacht. Und ihr habt es bald auch in der Hand.“
Sein Kollege Fred Deitert berichtet von einem Unfall, bei dem der 18-jährige Fahrer und sein 17-jähriger Beifahrer getötet wurden. Zu schnell gefahren, falsch reagiert, in den Gegenverkehr geraten – aus. Deitert erklärt, dass er solche Bilder hinter eine Mauer in seinem Kopf verbannt. Eine Mauer, die in 20 Jahren Polizistendasein immer mehr gewachsen ist. Und bittet: „Lasst es langsam angehen. Ich möchte auf keinen Fall solche Bilder von euch hinter meiner Mauer verstecken müssen.“
Rettungsassistent Hans-Peter Blut erzählt von einem Unfall mit vier jungen Menschen in einem Auto. Nur der Fahrer hat überlebt. Eine Weile, als Pflegefall – und ist acht Jahre später schließlich doch an Organversagen als Folge des Unfalls verstorben. „Unfälle sind nicht anonym, sie haben Namen“, sagt Notarzt Dr. Michael Micke. Er zeigt Fotos von zerfetzten inneren Organen, gebrochenen Hüften und Wirbelsäulen, schildert das Leben danach – wenn der Mensch zwar immer noch denselben Namen trägt, aber nie wieder der Gleiche sein wird.
 
 
 

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