Mit einem Vorstellungsgespräch ist es heute für Bewerber um einen Ausbildungsplatz in mittelständischen und großen Unternehmen oft nicht getan. Die Amazonen-Werke trainierten deshalb nun Schüler der Hüberts’schen Schule fürs Assessment-Center.
Mit Tesafilm, zwei Luftballons, Brotpapier und einem Faden klamüsern drei Schülergruppen der Jahrgangsstufe zwölf der gymnasialen Oberstufe der Hüberts’schen Schule daran herum, wie sie wohl am besten ein rohes Ei sichern könnten. Und zwar so, dass man es anschließend draußen aus 2,50 Meter Höhe auf das Pflaster fallen lassen kann, ohne dass es Schaden nimmt. René Hüggelmeier, Personalleiter der Amazonen-Werke in Hasbergen-Gaste, hat den Schülern im Voraus erläutert, worum es bei der Übung geht, worauf in einer echten Bewerbungssituation bei einem solchen Spiel geachtet wird: Wer bringt sich konstruktiv ein, wer moderiert das Miteinander, wer hat kreative Ideen, wer ist teamfähig. Es geht darum, wer mit seinen Fähigkeiten konstruktiv zum Erfolg der Gruppe beiträgt. Und natürlich weiß Hüggelmeier längst, wie die optimale Lösung aussieht. Er glaube kaum, dass ein Ei heil bleibe, lässt er die Schüler auf dem Weg nach draußen wissen.
Das Spiel mit dem Ei, eine Konstruktionsübung, ist Teil eines eintägigen Assessment-Center-Trainings, für das Vertreter der Personalabteilung des Unternehmens in die Schule kommen. Sie bereiten die Schüler mit diesem Training vor auf das, was sie oft erwartet, wenn ein Unternehmen, bei dem sie sich um einen Ausbildungsplatz beworben haben, sich für sie interessiert und sie einlädt.
Dass ein Bewerber mit dem entsprechenden Abschluss und guten Noten in der Lage ist, die fachlichen Kenntnisse zu erlernen, „davon gehen wir aus“, sagt Hüggelmeier. Aber ob er auch ins Team passt, das will man am Auswahltag herausfinden. Und damit die Schüler in einem solchen Assessment-Center wissen, worauf es ankommt und somit erfolgreich sein können, wird das Ganze in der Schule trainiert.
Ganz wichtig sei aus Sicht der Schule, dass es hier nicht um Unternehmenspräsentation gehe, sondern um das Training der Schüler für ihre Bewerbungen, sagt Lehrerin Anja Arens-Fischer, die Koordinatorin für Studien- und Berufsberatung an der Hüberts’schen Schule ist. Gemeinsam mit Oberstufenkoordinatorin Doris Bregen-Meiners erläutert sie den Sinn des Trainings aus schulischer Sicht.
Die Schule schaue bewusst danach, was für die Schüler sinnvoll sei. So sei die Zusammenarbeit mit Amazone, mit der man nun ein Jahr lang positive Erfahrung gesammelt habe, nur ein Mosaikstein. Sehr erfolgreich beteilige sich die Schule schon seit Jahren auch am von der buw-Unternehmensgruppe in Osnabrück initiierten Azubi-Trainingslauf“, der ebenfalls ein Bewerbertraining ist. Wichtig sei im einen wie im anderen Fall das Feedback aus den Unternehmen für die Schüler.
Ein solches Feedback bekommen die Schüler auch bei jedem Assessment-Center-Training. Was war gut, woran muss man noch arbeiten. Davon profitieren alle. Der Amazone-Personalleiter, der auch als Dozent an der Fachhochschule Osnabrück tätig ist, spricht von einer „win-win-Situation“. „Wir lernen die Schüler kennen und sie wiederum bekommen einen ersten Eindruck davon, was sie in der Ausbildung oder im Dualen Studium erwartet.“
Übrigens: Tatsächlich blieb am Ende der Konstruktionsübung keines der Eier beim Aufprall auf dem Boden heil. Aber die Mühen dürften sich im Sinne einer glatteren Landung im Berufsleben dennoch gelohnt haben.