Glückskekse kennt man nicht im Reich der Mitte
27 chinesische Gäste der Uni Osnabrück waren nun zu Gast an der Hüberts’schen Schule. Die Initiative dazu, die Studenten einzuladen, ging von Anne Jacobs aus. Sie bietet an der Schule seit Beginn dieses Schuljahres eine Chinesisch-AG an.


Die jungen Chinesen probierten Käsesticks mit Weintrauben, Schwarzbrot-Happen und Spekulatius. Für die deutschen Schüler waren Instant-Nudelsuppen sowie salzige und süße Kekse aus China ein Geschmackserlebnis.
Glückskekse sind typisch chinesisch, oder? „Darf ich fragen, wer von Ihnen Glückskekse aus China kennt?“ Für Anne Jacobs, Lehrerin an der Hüberts’schen Schule war es keine Überraschung: Kein einziger der 27 chinesischen Studenten der Uni Osnabrück kannte die dreieckigen Kekse mit kleinen Zetteln drin aus der Heimat. Am Montag waren die Studenten aus dem Reich der Mitte in Hopsten zu Gast.
Die Initiative dazu, die Studenten einzuladen, ging von Anne Jacobs aus. Sie bietet an der Hüberts’schen Schule seit Beginn dieses Schuljahres eine Chinesisch-AG an, an der elf Schüler unterschiedlicher Klassen aus der gymnasialen Oberstufe (Jahrgangsstufe 11) teilnehmen.
Nicht zuletzt, um ihren Schülern ein Highlight zu bieten, knüpfte sie an alte Kontakte an und fragte an der Uni Osnabrück an, ob eine solche Begegnung möglich wäre. Ihr sei es wichtig, Begegnungssituationen zu schaffen, einen erkenntnisreichen und freundschaftlichen Austausch zu ermöglichen, wobei die Schüler Gelerntes anwenden und ihre interkulturelle Kompetenz weiterentwickeln können, erläuterte Jacobs. Schüler und Studenten hätten natürlich auch Spaß dabei, seien neugierig aufeinander, woraus neue Kontakte entstehen. „Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass das Interesse auch von der anderen Seite so groß sein würde“, freute sich Jacobs, gemeinsam mit Schulleiter Alfons Ahlers so viele chinesische Gäste begrüßen zu können. Die Studenten wurden begleitet von Jan Kattenbach, der am Sprachenzentrum der Uni Osnabrück Sonderprogramme Deutsch als Fremdsprache und die Vermittlung von Muttersprachlern als Lernpartner (Tandem) koordiniert, und von Dr. Christiane Beinke, Lehrbereichsleiterin Deutsch als Fremdsprache und Migrationssprachen.
Anne Jacobs und ihre Chinesisch-Schüler hatten nichts dem Zufall überlassen und ein sehr ansprechendes Programm für die Gäste vorbereitet. So war ein Buffet mit Fingerfood – von Schwarzbrot-Käse-Happen über gefüllte Eihälften bis hin zu Spekulatius – vorbereitet, das die Gäste mit mitgebrachten typisch chinesischen Leckereien ergänzten. Bevor den Studenten die Möglichkeit geboten wurde, in verschiedenen Klassen im Unterricht zu hospitieren, stellten die Schüler der Chinesisch-AG in kurzen Dialogen ihre neu gewonnenen Sprachkenntnisse vor. Auch ihre Schule mit den verschiedenen Bildungsgängen und das deutsche Schulsystem insgesamt brachten sie den Gästen nahe, ebenso die Schulwoche, Freizeit- und Wochenendaktivitäten sowie das deutsche Weihnachtsfest. Und die chinesischen Gäste boten den Gastgebern ihrerseits entsprechende Informationen über ihr Land.
Besonders viel Spaß machte allen wohl das Quiz, das die Schüler und die Studenten vorbereitet hatten. Es wurde jeweils Basiswissen zu beiden Ländern abgefragt. Da kam der höchste Berg Chinas (Mount Everest) ebenso vor wie die Frage nach fünf chinesischen Städten oder nach der chinesischen Währung (Yuan).
- Info:
Chinesisch-AG an Hüberts’scher Schule Eine Schulnote gibt es für die Schüler der Chinesisch-AG an der Hüberts‘schen Schule nicht, wohl aber einen Vermerk im Zeugnis und eine differenzierte Teilnahmebescheinigung (etwa für Bewerbungen im wirtschaftlichen Bereich). „Interkulturelle Kompetenz ist in der heutigen Arbeitswelt eine Schlüsselqualifikation“, sagt Lehrerin Anne Jacobs. Und: „Sprache und Kultur gehören eng zusammen.“
Deshalb strebe sie in ihrer AG nicht unbedingt das perfekte Beherrschen der Sprache an. Es gehe vielmehr darum, Einblicke zu erhalten und Umgangsformen zu lernen. Im Hinblick auf die Kultur interessiere die Schüler besonders chinesischer Lifestyle, der Umgang mit Medien, der typische Tagesablauf von Jugendlichen, Ein-Kind-Politik, Wirtschaft und Geschichte sowie Umgangs- und Höflichkeitsformen im (Geschäfts-)Alltag, ließ die Lehrerin die jungen Gäste wissen. Die Schüler der AG seien sehr motiviert, einige beschäftigen sich auch in ihrer Freizeit mit der chinesischen Sprache, erstellen Vokabellisten und haben Spaß daran, die Schriftzeichen zu üben. „Momentan überlegen sie, im weiteren Verlauf der AG die HSK1-Prüfung anzustreben.“ HSK ist die offizielle Prüfung für Chinesisch als Fremdsprache.
Quelle: IVZ Online, Cornelia Ruholl (URL: http://www.ivz-aktuell.de/lokales/hopsten_artikel,-Glueckskekse-kennt-man-nicht-im-Reich-der-Mitte-_arid,528157.html, Zugriff am 02.12.2015)