2019 Skeet

Respekt schreiben sie groß: John Kellinghaus und Simon Waltermann vom SSC Schale schießen im Nationalkader

Neonorange leuchten die Wurfscheiben, die aus dem sogenannten Hoch- und Niederhaus am Wurftaubenstand des SSC Schale fliegen. Kaum zu verfehlen also – zumindest, wenn man Profisportschütze ist. So wie John Kellinghaus und Simon Waltermann.

2019 Skeet
Gerade einmal so groß wie ein Handteller sind die leuchtend orangefarbenen Wurfscheiben, auf die John Kellinghaus (l.) und Simon Waltermann in verschiedenen Schemen schießen.

Sie schießen für die deutsche Nationalmannschaft in der Disziplin Skeet.

Um die 20000 Schüsse feuern John und Simons jährlich aus ihrer 3,5 Kilo schweren Waffe. „Das ist aber auch die Menge, die ein Schütze im Leistungsbereich schießen sollte“, sagt Simon, der seit ungefähr fünf Jahren in dem Sport aktiv ist. Der 19-Jährige kommt aus Harsewinkel, hat in einem Verein dort seine Karriere begonnen. Dann wechselte er aber und fährt seither immer nach Schale, „weil es hier einfach bessere Möglichkeiten gibt“, sagt er. Vier mal die Woche trainieren er und sein Mannschaftskollege John im Wurftaubenstand. In ihrem Nachwuchskader1, dem C-Kader, sind sie insgesamt zu sechst – verteilt auf ganz Deutschland. Da komme es schon mal vor, dass die Jungs einige ihrer Mannschaftskollegen nur bei Stützpunkttrainings sehen – oder sogar erst bei Turnieren.

Und die gibt es in aller Welt. Finnland, Italien, Österreich, um nur einige Länder zu nennen, in denen die Schützen allein in diesem Jahr waren. „Da kommt man gut rum“, erzählen sie schmunzelnd. Und die Schule? „Das ist kein Problem“, versichert John. Der 17-jährige Mettinger besucht die Hüberts‘sche Schule in Hopsten, die als Sportschule „das mit den Sportlern“ eben kenne. Sobald John weiß, dass er für ein Turnier länger in der Schule fehlen wird, beantragt er eine Beurlaubung, und die habe er bis jetzt auch immer bekommen.

Blöd nur: „Natürlich muss ich alles, was ich verpasst hab, nachholen, und das in kürzester Zeit“, sagt der Mettinger. Vor allem während der Abiphase war das auch für Simon hart und risikoreich. „Hätte ich in eine Nachprüfung gemusst, hätte ich das Turnier absagen müssen“, erinnert er sich an das vergangene Jahr. Aber es ist alles gut gegangen: Sowohl das Abitur als auch das Turnier habe er erfolgreich absolviert.

Bleibt bei so viel Fahrerei, Reisen und Training überhaupt noch Freizeit? Offensichtlich, und die füllen die Jungs mit noch mehr Sport. Laufen, schwimmen, Fitnessstudio. Jagen gehen sie auch. Das sei aber etwas ganz anderes als Skeetschießen, sind sich John und Simon einig. Immerhin schießen sie dabei auf Lebewesen. „Die sollte man mit Respekt behandeln, und wenn man den nötigen Respekt nicht hat, sollte man es mit dem Schießen sein lassen“, spricht John ganz klare Töne. Und beim Skeet gilt, wie Simon ergänzt: „Es ist der sportliche Gedanke, der zählt. Es ist niemals einfach nur stumpfes Rumballern.“

Für die Zukunft planen die Jungs erst einmal nicht, ihre Waffe abzulegen, ihren beruflichen Weg wollen sie aber trotzdem festigen. Simon plant ein Medizinstudium. John schwebt da etwas in der Bundespolizei oder Bundeswehr vor. Das alles unter einen Hut zu kriegen, sehen die beiden Jungs als eine Herausforderung, der sie sich gerne stellen wollen. „Außerdem bekommen wir ja genug Unterstützung“, erklärt Simon. Aus speziellen Sporthilfeprogrammen, vom Verein und nicht zuletzt von den Eltern – die Förderung junger Talente in diesem Randsport sei definitiv gegeben.

Jetzt ist aber erst einmal Saisonende. Das Training lassen sich die beiden trotzdem nicht nehmen. Klar, sie sind Profis – und Genießer, wie John erklärt: „Wenn man über den Lauf hinweg guckt blendet man alles um einen herum einfach aus. Und entspannt.“

  

Quelle: IVZ Online, Carina Tissen (URL: https://www.ivz-aktuell.de/Lokales/7607206/Respekt-schreiben-sie-gross, Zugriff am 17.11.2019)

 

 

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