Retter schildern ihre schockierenden Erlebnisse
Die Kampagne „Crash Kurs NRW“ soll junge Autofahrer auf Gefahren aufmerksam machen, deshalb berichteten nun Retter ihre Erlebnisse an der Hüberts’schen Schule. Die detaillierten und schockierenden Tatsachenschilderungen der sieben Vertreter ließen die Schüler nicht unberührt.
Jana, Lena und Franziska fanden das eben Erlebte schon heftig – aber gut. „Das wirkt nach“, sagt die 17-jährige Franziska von der Hüberts’schen Schule. Alle verlassen die Veranstaltung „Crash Kurs NRW“ in der Aula des Schulzentrums Hopsten nachdenklich.
Die schockierenden Bilder der Präventionskampagne der Polizei, aber besonders die Erfahrungsberichte von Polizei, Feuerwehr, Rettungsnotärztin, Notfallseelsorger gehen unter die Haut. Die detaillierten Tatsachenschilderungen der schrecklichen Erlebnisse der sieben Vertreter der „Rettungskette“ lassen die 330 Schüler von Haupt- und Realschule sowie der Hüberts’schen Schule nicht unberührt.
„Wir wollen euch nicht am Unfallort aus dem Fahrzeug rausgerissen vorfinden, nicht zu euren Angehörigen gehen müssen, um euren Tod zu melden. Wir wollen, dass ihr gesund bleibt und lebt“, machte Ludwig Schnell, Leiter der Führungsstelle Verkehr der Kreispolizeibehörde Steinfurt, eindringlich klar. „Darum möchten wir euch aufrütteln.“
Leider sei es eine Tatsache, dass bei 24 Verkehrsunfällen in den vergangenen fünf Jahren 28 Menschen starben. 25 Tote seien zwischen 16 und 24 Jahre alt gewesen, berichtet Ludwig Schnell. Wahr sei auch, dass 19 Prozent aller Unfälle auf das Konto sehr junger Verkehrsteilnehmer gingen, obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur acht Prozent betrage. „Unfälle werden verursacht und sind damit vermeidbar“, erklärte Schnell nach jedem Erfahrungsbericht, den Polizeibeamter Fred Deitert, Feuerwehrmann Christoff Schwarz, Rettungsärztin Sonja Römer, Notfallseelsorger Pfarrer Andreas Finke und als Unfallopfer Polizist Guido Wilke schildern.
Alle Unfälle sind im vergangenen Jahr passiert. Viele Zuhörer in der Aula kennen sogar den Unfallort, an den Polizist Fred Deitert am 13. März 2011 gerufen wurde: Der 18-jährige Fahrer war zu schnell unterwegs gewesen. Er kam von der Fahrbahn ab und verunglückte tödlich. Seinen Führerschein besaß er gerade drei Wochen. Sein 17-jähriger Freund wird durch ein Seitenfenster aus den Wagen geschleudert – auch für ihn kommt jede Hilfe zu spät. Die Autofahrerin auf der Gegenfahrbahn und ein Mitfahrer, die unverschuldet in den Unfall verwickelt wurden, sind schwer verletzt. „Um die schrecklichen Unfallbilder zu verarbeiten, verstecke ich sie hinter einer Mauer“, erzählt der Polizist. Leider werde diese Mauer immer höher. „Und wenn ich heute ein Loch in die Mauer mache, ist alles wieder präsent“, beschreibt er die Belastungen, die sein Beruf mit sich bringt.
Wie aus allen Berichten deutlich wird, sind zu hohe Geschwindigkeit, Drogen- und Alkoholeinfluss, nicht angeschnallt sein oder abgelenkt sein durch Handy oder Musik, die häufigsten Ursachen schwerer Verkehrsunfälle bei Jugendlichen.
In England habe man durch solche Crash-Kurse, wie den gestrigen 50 Prozent weniger schwere Verkehrsunfälle durch Jugendliche und junge Erwachsene, berichtet das Rettungsteam. „Diese Nachhaltigkeit wünschen wir uns auch“, sagt Schell. Nur zu gern verspricht er den Schulleitern Wolfgang Schmidt-Hoffmeier und Andreas Pasche sowie dem Kollegium der Hüberts’schen Schule die Präventionsveranstaltung alle zwei Jahre zu wiederholen.
Quelle: Mechthild Schwienheer, IVZ Online (URL:
http://www.ivz-online.de/lokales/hopsten_artikel,-Retter-schildern-ihre-schockierenden-Erlebnisse-_arid,47671.html