Wie man mit seiner Persönlichkeit überzeugt
Knigge-Trainerinnen haben Schüler der Hüberts’schen Schule fürs Bewerbungsgespräch gecoacht. Denn bis das erste Urteil gefällt, die erste „Schublade geöffnet“ ist, dauert es nur sieben Sekunden.

Machen Schüler fit für einen sicheren Auftritt im Bewerbungsgespräch: die Stil- und Knigge-Trainerinnen Edith Plegge (l.) und Ricarda Diepenbroick-Grüter (r.) .
Es sind nur 150 Millisekunden, dann haben Menschen sich schon ein erstes Bild von ihrem Gegenüber gebildet. „Ganz schnell fällt die Klappe“, sagt Edith Plegge. Die Stil- und Knigge-Trainerin führt gemeinsam mit Ricarda Freifrau von Diepenbroick-Grüter die Firma „Stil.Genau und wortgewandt“ in Ibbenbüren. Sie beide waren für den Workshop „Bewerbungsknigge“ in die Hüberts’sche Schule nach Hopsten gekommen.
Bis das erste Urteil gefällt, die erste „Schublade geöffnet“ ist, dauert es nur sieben Sekunden. Die Zeit für einen guten ersten Eindruck ist also knapp. Das gelte auch in einem Bewerbungsgespräch. Wenn die erste Hürde genommen ist und der Bewerber zum Gespräch eingeladen wird, kommt es drauf an, auch mit seiner Persönlichkeit zu überzeugen.
Aber wie? Um diese Frage ging es in dem Seminar „Bewerbungsknigge“. Dass es auf diesem Gebiet noch Unsicherheiten gab, stellten die Studien- und Berufskoordinatorin der Hüberts’schen Schule, Anja Arens-Fischer, und die Oberstufenkoordinatorin Doris Bregen-Meiners in Gesprächen mit den Schülern fest. Deshalb entwickelten sie gemeinsam mit den beiden Trainerinnen das Programm für den Workshop. Gut vorbereitet auf den Sprung ins Berufsleben würden die Schüler ohnehin schon durch das Assessment-Center in Zusammenarbeit mit der Firma Amazone. Und auch wie eine Tipp-Top-Bewerbungsmappe aussieht, werde natürlich vermittelt, so Arens-Fischer. Aber die nötige Sicherheit auf dem Gebiet guter Umgangsformen konnte noch Stärkung gebrauchen.
Da waren die Schüler bei den beiden Trainerinnen von „Stil.Genau“ in besten Händen. „Bereiten Sie sich so sorgfältig vor, wie Sie es für eine Rolle in einem Theaterstück tun würden. Aber: Bleiben Sie natürlich, bleiben Sie Sie selbst“, so der Rat der Trainerinnen.
Klar, dass man alle Unterlagen zum Bewerbungsgespräch dabei hat, man sollte auch vorher genau wissen, wohin man muss, um auf jeden Fall pünktlich zu sein. Aber auch Recherche gehört dazu: Es kann helfen, zu wissen, wenn die Firma zum Beispiel gerade gebaut hat, oder wenn sie gerade für einen Verein oder eine Institution gespendet hat. Dabei sei es durchaus nützlich, unter anderem auch in die Tageszeitung zu schauen. Auch ein dem Unternehmen angepasstes Outfit ist wichtig. Während ein Anzug in der Bank das Richtige wäre, gelte das nicht unbedingt für die Bewerbung in einem Fitnessstudio.
Und: „Ob Pförtner oder Putzhilfe, grüßen Sie jeden“. Man wisse schließlich nie, wer die Personen sind, die man auf dem Flur trifft.
Den Ablauf des eigentlichen Vorstellungsgespräches erarbeiteten die Trainerinnen mit den Schülern in einzelnen Schritten. Von der Vorbereitung über die Begrüßung (sie geht immer vom Chef aus) und den Smalltalk zum Aufwärmen bis hin zur Selbstvorstellung, der Benennung eigener Stärken und Schwächen, der Präsentation der Firma und der Verabschiedung wurde nichts ausgelassen.
Wichtig dabei war auch das Thema „Distanz“: zwei Mal die Unterarmlänge, um nicht aufdringlich zu sein. Und das probierten die Schüler beim Üben des Smalltalks oder des richtigen Händedrucks auch gleich aus.
„Hatten Sie eine gute Anreise?“ Da war Mancher um eine prompte und souveräne Antwort verlegen. Smalltalk ist eben gar nicht so einfach. Religion, Politik, Sex, Geld, Krankheit, Tod, Lästerei und Kritik an der Veranstaltung sind Tabuthemen. Ein guter Ausgangspunkt für Smalltalk? Das Wetter. Und: „Smalltalk können Sie üben, zum Beispiel an der Kinokasse oder im Supermarkt.“
Vorbereitet sein auf Fragen nach Ungereimtheiten im Lebenslauf, die richtige Körpersprache (Haltung annehmen und lächeln!), der richtige Händedruck sind wichtig. Und: Nicht gleich nach dem Gehalt oder nach Urlaub fragen. – Die gelungene Präsentation der eigenen Persönlichkeit hat viele Facetten – und dieser Workshop „Bewerbungsknigge“ auch.
Quelle: IVZ Online, Claudia Ruholl (URL: http://www.ivz-aktuell.de/lokales/hopsten_artikel,-Wie-man-mit-seiner-Persoenlichkeit-ueberzeugt-_arid,524450.html, Zugriff am 22.11.2015)