„Fokus liegt nur auf Fußball“ – Zwei VfLer im Interview
Der Ibbenbürener Jona Breulmann und der Mettinger Robin-Joel Kamp sind beide aktive Fußballer in der B-Junioren-Bundesliga. Wie ihr tägliches Leben mit dem Sport aussieht und was das für ihr Privatleben bedeutet, darüber sprechen sie im Interview.

Robin-Joel Kamp (l.) und Jona Breulmann haben (fast) jeden Tag das runde Leder im Kopf.
Der Ibbenbürener Jona Breulmann und Mettinger Robin-Joel Kamp (beide 16) sind seit drei Jahren beim VfL Osnabrück. Dieses Jahr spielen die Fußballer mit dem U17-Team in der Bundesliga. Wir haben die beiden zum Interview getroffen.
Wie ist ein typischer Tagesablauf in eurem Alltag?
Jona Breulmann: Morgens haben wir Schule bis 14 Uhr. Nach dem Essen mache ich Hausaufgaben, um 18.45 Uhr beginnt dann das Training. Abends gegen 21 Uhr sind wir wieder zu Hause. Am Dienstag haben wir trainingsfrei, Mittwoch habe ich eine Stunde vor dem Training mit dem Perspektivkader extra Krafttraining. Dazu gehören die stärksten Spieler einer Mannschaft.
Robin-Joel Kamp: Zusätzlich kann man sagen, dass wir nicht um 18.45 Uhr in Osnabrück sind, sondern auch immer hin- und zurückkommen müssen. Wir sind kaum zu Hause, haben also wenig Zeit.
Wie kommt ihr zum Training und zu den Spielen?
Breulmann: Wir werden mit einem Bulli des Fahrdienstes vom Verein an der nächstgelegenen Autobahnauffahrt abgeholt. Bei Auswärtsspielen werden wir zur Illoshöhe gebracht und fahren von dort mit der Mannschaft im Bus zu den Spielen.
Wie läuft ein Wochenende mit einem Auswärtsspiel ab, beispielsweise in Berlin?
Breulmann: Wir fahren mit dem Bus, meist mit Übernachtung, weil man das an einem Tag nicht schafft. Bis nach Berlin sind das sechs Stunden. Wir übernachten da und bereiten uns auf das Spiel vor. Also der Fokus liegt immer nur auf Fußball, da kannst du nicht in Berlin shoppen gehen. In Berlin hatten wir sonntags das Spiel. Am Samstag haben wir um 10 Uhr noch eine Stunde Training in Osnabrück gemacht und sind danach losgefahren.
Kamp: Im Bus gibt es dann Brötchen zum Essen nebenbei.
Breulmann: Wenn wir dann um circa 18 Uhr in Berlin sind, werden erst die Zimmer aufgeteilt, und wir haben eine Besprechung, wie das Wochenende abläuft.
Kamp: Die Zimmeraufteilung ist dabei immer eine andere, die von den Trainern vorgenommen wird.
Breulmann: Genau. Dann essen wir und haben danach meist noch Zeit zur freien Verfügung. Dann gibt es auch ab 22 Uhr Bettruhe. Am nächsten Morgen machen wir nach dem Frühstück eine Besprechung, damit wir am Platz keine mehr machen müssen. Dann geht es auch schon los zum Spiel.
Findet ihr denn, dass sich dieser Aufwand lohnt?
Breulmann: Erstens spielst du Bundesliga, in der du wahrscheinlich nur einmal im Leben spielst. Da machst du auch richtig viele Erfahrungen, da muss man das dann auch mitmachen. Auch wenn das ab und an bis zu sechs Stunden Fahrt beinhaltet.
Kamp: Ich finde auch, dass es jedes Mal wieder Spaß macht zum Training zu gehen und sich auf das nächste Spiel zu freuen. Wir spielen gegen Gegner wie Berlin, Hamburg und Wolfsburg, das kriegt man nicht noch einmal wieder.
Wie sieht bei so einem straffen Terminkalender der Spagat zwischen Schule, Freizeit und Verein aus?
Kamp: Wenn viele Klausuren anstehen, kommt es durchaus vor, dass dann Vokabeln im Bulli auf dem Weg zum Training gelernt werden müssen.
Breulmann: Das geht mir genauso. Wenn wir trainingsfrei haben, nutze ich das gerne aus, um mich mit Freunden zu treffen, aber sonst bleibt eher wenig Zeit.
Wo liegen die Unterschiede zwischen einem Amateur- und einem Profiverein?
Breulmann: Erstens sind die Trainingszeiten anders, wir trainieren viel öfter. Außerdem geht es noch mehr um Leistung, als es beispielsweise bei mir bei Arminia Ibbenbüren vorher der Fall war. Beim VfL ist Fußball dein Beruf, da sind die Ziele höher.
Kamp: Man muss mehr Leistung bringen, aber nach einiger Dauer wird das Alltag, und man gewöhnt sich daran. Man kriegt auch mehr vom Verein zurück, zum Beispiel werden wir komplett mit Kleidung ausgestattet, die auch vom Verein gewaschen wird.
Welche Ziele habt ihr im Fußball?
Breulmann: Mein Ziel ist es zu probieren, beim VfL in den Profikader zu kommen. Das würde mir auch reichen, aber wenn es noch in die Bundesliga ginge, das wär schon mein Traum.
Kamp: Ein Traum wäre die Bundesliga auf jeden Fall, aber es ist auch ein extrem hohes Ziel, finde ich. Wenn man zum Beispiel gegen Wolfsburg spielt, sieht man, was das noch einmal für ein Riesenunterschied ist, von einem Bundesligaverein bei den Herren im Gegensatz zum Drittligisten Osnabrück.
Was war bis jetzt euer schönstes Erlebnis als Fußballer?
Breulmann: Im letzten Jahr bin ich mit der U17 in die Bundesliga aufgestiegen und wir haben auch den Niedersachsenpokal gewonnen. Auf dem Weg in das Finale haben wir auch Wolfsburg und Hannover geschlagen. Insgesamt habe ich viele Erfahrungen gesammelt und die bis jetzt beste Saison gespielt.
Kamp: Gute Frage, mir fällt dazu spontan nichts ein. Ich finde aber generell, dass jedes Spiel ein Highlight ist, wenn man in der Bundesliga spielt. Auch wenn wir nur ein Unentschieden holen, freuen wir uns darüber, weil es einfach eine Riesenleistung von der ganzen Mannschaft ist. Bei einem großen Hallenturnier mit vielen Bundesligisten habe ich ein Tor gegen Bayern München geschossen, das war schon ein Highlight.
Wie viel Zeit habt ihr jetzt noch für Familie und Freunde im Alltag?
Breulmann: Ich finde, dass das noch okay ist, da der VfL nur 20 Minuten von hier entfernt ist. Wenn du auf einem Internat bist, hast du fast gar keine Zeit, deswegen passt Osnabrück, auch von der Weite her. Außerdem hat man einen Tag in der Woche frei. Bei guter Trainingsleistung hat man vielleicht vor dem Spiel noch einmal frei, da kann man dann auch noch etwas unternehmen.
Kamp: Ich würde auch sagen, dass es einen Unterschied zum Internat gibt. Die Freunde sehe ich zwar nur einen Tag in der Woche, wenn überhaupt, aber die Familie sehe ich auf jeden Fall jeden Tag. Im Internat wäre das ab und an am Wochenende der Fall, aber auch nicht zwingend.
Wie verbringt ihr eure Freizeit, wenn ihr nicht in der Schule oder im Verein seid?
Breulmann: Ich geh zum Beispiel ins Kino oder treffe mich mit meinen Freunden einfach so oder um Playstation zu spielen, auch „FIFA“.
Kamp: Entweder ich treffe Freunde oder ruhe mich auch einfach einen Tag aus, wenn nichts anliegt. Im nächsten Sommer fahren Jona und ich mit einem weiteren Kumpel nach Mallorca in den Urlaub, das wird bestimmt gut.
Was würdet ihr in eurer Freizeit machen, wenn ihr mehr Zeit dafür hättet?
Breulmann: Also ich würde es ruhiger angehen lassen und mit Freunden etwas unternehmen.
Kamp: Ja, auf jeden Fall öfter die Freunde treffen. Aktuell leidet das darunter, weil wir so gut wie jeden Tag Training oder Fußball haben. Ich ginge wahrscheinlich auch öfter auf eine Party, wenn es möglich wäre.
Würdet ihr euch das denn wünschen?
Breulmann: Ich finde, das passt alles so.
Kamp: Ja, sehe ich auch so. Man gewöhnt sich daran und dann passt das.
Wie man Bundesligafußball und Schule unter einen Hut bekommt
Weil der Fußball durch fast tägliches Training enorm viel Raum im Leben der Jugendlichen einnimmt, bleibt oft wenig Zeit für die Schule. Jona Breulmann und Robin-Joel Kamp gehen auf das Hübert’sche Sportgymnasium in Hopsten. Im Gegensatz zu einer Osnabrücker Eliteschule gibt es dort zwar keine Kooperation mit dem VfL, sagt Robin-Joel. Damit die beiden keine schlechten Noten schreiben, sprechen die Trainer des VfL Osnabrück aber jedes halbe Jahr persönlich mit den Spielern, erklärt Jona. Dabei geht es um die Situation in der Schule oder wie das Privatleben des Einzelnen läuft. Jona Breulmann: „Der Verein achtet wirklich auf die Noten. Dann geht die Schule vor und ist dem Verein sogar noch wichtiger als Fußball.“ „Wenn es schlecht läuft, bieten die Trainer an, Referate oder Übungsaufgaben mit uns zu machen“, ergänzt Robin-Joel Kamp. Und wenn auch das nicht hilft? „Wenn es auf Dauer wirklich nicht besser würde, gäbe es halt Strafen.“ Das sei aber noch nicht vorgekommen.
Quelle: IVZ Onliine, Oscar Hubrich. URL: http://www.ivz-aktuell.de/lokales/ibbenbueren_artikel,-%E2%80%9EFokus-liegt-nur-auf-Fussball%E2%80%9C-Zwei-VfLer-im-Interview-_arid,551576.html (Zugriff am 18.02.2016)