Besonderes Coaching für besseren Unterricht
Eigentlich ist Unterricht ganz einfach: Der Lehrer sagt etwas, die Schüler hören zu. Und wenn es klingelt, gehen alle Parteien ihre eigenen Wege.
Doch was wäre, wenn plötzlich nicht mehr der studierte Pädagoge das Sagen hätte, sondern die Parallelklasse oder der zweite Leistungskursus in der eigenen Jahrgangsstufe? Wenn man nicht mehr weiterkommt, wenn die Mitschüler nicht ordentlich vorarbeiten? Diese Erfahrung machen gerade zwei Deutsch-Leistungskurse der Jahrgangsstufe 12 des gymnasialen Zweigs der Hüberts´schen Schule.

Experiment geglückt: Mike Hukriede und seine Kollegin Anja Arens-Fischer (v.l.) freuen sich über eine gelungene Zusammenarbeit ihrer beiden Deutsch-Leistungskurse der Jahrgangsstufe 12. Beim Thema Wirtschaftsethik mussten die Schüler Rollenspiele zur sozialen Verantwortung von Unternehmen präsentieren. Die besten Bewertungen bekam die Gruppe „Kaiser-Pils“.
„Kollegiales Coaching“ heißt die neue Methode zur Verbesserung von Inhalten und Methoden im Unterricht, der sich das Kollegium der Privatschule seit einiger Zeit verschrieben hat. Auch die Lehrer der zwei Leistungskurse, Mike Hukriede und Anja Arens-Fischer, haben sich auf das Experiment eingelassen. Und sie gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie besuchen sich nicht nur gegenseitig im Unterricht und tauschen ab und zu mal die Klassen.
Für das Thema Wirtschaftsethik brachten sie – nach einer getrennten Vorbereitungsphase – jetzt ihre beiden Kurse zusammen. Der Grund: „So bekommen die Schüler nicht nur eine Rückmeldung von uns, sondern auch von ihren Mitschülern“, sagt Anja Arens-Fischer.
Das feste Gefüge, die Routine eines Schultages gerät dabei leicht mal aus den Fugen. Wenn Eigenbild auf Fremdbild traf, habe es manches Mal ordentlich im Raum geknistert, erzählen die Lehrer. Dabei gehe es darum, sich sachlich miteinander auseinanderzusetzen, Feedback von anderen zuzulassen. „Aber die Schüler sollen auch Begründungen einfordern“, erklärt Mike Huk-riede. Nur zu sagen „Gefällt mir nicht“ reiche nicht als Bewertung aus.
In Rollenspielen mit jeweils sechsköpfigen Gruppen sollen sich die angehenden Abiturienten mit dem Thema Wirtschaftsethik, soziale Verantwortung von Unternehmen, beschäftigen. Die Ergebnisse werden vor den Augen der Mitschüler aus beiden Kursen präsentiert. Die Gruppe „Kaiserpils“ erhält am Ende für ihren Vortrag von allen die besten Bewertungen.
„Sie hatten gute Requisiten, eine gute Diskussion, haben frei gesprochen“, sagt Tim Tobergte (17) als Begründung. „Kaiserpils“ ist ein Familienunternehmen mit 200 Mitarbeitern, welches sich dafür einsetzt, nachhaltig zu produzieren, fair gehandelte Rohstoffe zu verwenden und sich zusätzlich für soziale Projekte zu engagieren.
Eine Idee, die bei den Schülern Anklang fand. „Die Bewertung war anfangs schon schwierig“, gibt Johanna Kempken-Heskamp (17) zu. Mit der Zeit sei jedoch die Einsicht gewachsen, dass sie alle aus vernünftiger Kritik etwas lernen könnten.
Auch für später, für Bewerbungsgespräche, für alle Situationen, in denen man sich vor anderen möglichst gut präsentieren müsse. Genau diese Absicht verfolgen auch Anja Arens-Fischer und Mike Hukriede: „Die Jugendlichen sollen lernen, sich durchzusetzen, für ihre Ideen einzustehen, sich zu behaupten.“
Ein weiterer Vorteil: „Wenn man einander nicht so gut kennt, sieht man vielleicht Dinge, die den Freunden oder direkten Mitschülern gar nicht auffallen“, sagt Annemarie Jasper (18). Daher halten es die Oberstufenschüler durchaus für denkbar, das Projekt auch in anderen Fächern zu etablieren.
URL: http://www.ivz-online.de/lokales/kreis_steinfurt/hopsten/1509707_Besonderes_Coaching_fuer_besseren_Unterricht.html (08.03.2011)